Waldwichtel lieben es im Freien

Tag der offenen Tür im Waldkindergarten Wiesenttal


Nur bei Gewitter im Haus - 13.10.2010
STREITBERG - Den ganzen Vormittag im Freien verbringen, Tag für Tag, selbst bei Minusgraden: Für die Kinder im Waldkindergarten Wiesenttal ist das gar kein Problem. Denn die gemeinsame Zeit in der Natur macht vor allem eines – jede Menge Spaß.



Mit Stöcken basteln die Kinder im Waldkindergarten am liebsten.
Foto: Kugler

Müllers Esel, das ist heute Ronja. Ausgerechnet bei ihr ging der bekannte Auszählreim zu Ende. Den Wetterbericht, ein tägliches Ritual im morgendlichen Sitzkreis, muss deshalb sie übernehmen. Ein Blick durch die Baumkronen in den Himmel genügt: „Es ist windstill, ein bisschen kalt und vielleicht kommt später noch die Sonne raus“, sagt Ronja.

Wer nicht wie die Kinder des Waldkindergartens jeden Tag Stunden im Freien verbringt, für den klingt „ein bisschen kalt“ wie eine Untertreibung. Tatsächlich liegen die Temperaturen am frühen Morgen nur knapp über dem Gefrierpunkt.

„Die Kinder tragen mehrere Schichten Kleidung übereinander“, sagt Katrin Kroder, die pädagogische Leiterin des Waldkindergartens. „Wichtig ist es aber vor allem, immer in Bewegung zu bleiben.“ Nur bei Gewitter verbringen die Kinder den Tag im Streitberger Bürgerhaus. „Den ganzen letzten Winter war das aber nur drei-, viermal der Fall“, sagt Katrin Kroder.

23 Kinder besuchen den Waldkindergarten Wiesenttal derzeit. Ihre Vormittage verbringen sie mit gemeinsamen Basteln, Singen und Spielen – und im Winter natürlich auch mit Schlittenfahren. Platz dafür haben sie nicht nur im Wald rund um die Binghöhle, sondern auch auf einer großen Wiese. Dort können die Kinder auch ein kleines Holzhaus und ein Indianer-Tipi nutzen.
Vertrauen aufgebaut
„Und einmal in der Woche kommt die Wald-Oma“, sagt Petra Göttlicher, die Vorsitzende des Trägervereins des Waldkindergartens. Die Wald-Oma heißt im wirklichen Leben Hannelore Sönning. Mit den Vorschulkindern hält sie jeden Dienstag eine Märchenstunde ab. „Die Kinder lieben sie heiß und innig“, sagt Petra Göttlicher.

Seit 1998 gibt es den Waldkindergarten Wiesenttal. Auf die Idee kam Gründerin Sabine Lorenz damals durch einen Zeitungsartikel über einen Waldkindergarten in Skandinavien. „Begonnen haben wir mit sieben Kindern“, erinnert sich Erzieherin Maria Forscht, die seit der Anfangszeit mit dabei ist. „Es musste natürlich erst Vertrauen bei den Eltern aufgebaut werden.“ Dank Mund-zu-Mund-Propaganda gelang das schnell: Bereits im zweiten Jahr kletterte die Kinderzahl auf die heutige Größe. Das Konzept, Kinder schon früh für die Natur zu sensibilisieren, ging auf.

Deswegen ist es heute für die Kinder auch kein Problem, zu erkennen, was Erzieherin Maria Forscht da gerade in ihrer Hand hält: „Ein Efeublatt“, hallt es ihr im Chor entgegen. Genau so eines – und dazu noch je einen Fichtenzapfen und ein Buchenblatt – dürfen die Kinder dann auf eigene Faust im Wald suchen.

Zurück im Sitzkreis legen die Mädchen mit den Fichtenzapfen einen Stern; die Jungs verschönern diesen mit einem Kreis aus grünen Efeu- und herbstlich-gelben Buchenblättern. Rosa schlägt vor, das Ganze einfach „Fichtenzapfen-Buchenblatt-Efeublatt-Stern“ zu nennen.

Der Waldkindergarten erfüllt – wie die Regelkindergärten auch – die Anforderungen des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans. „Die Kinder lernen hier genauso viel wie in einer Regeleinrichtung“, bestätigt Ulrike Hentschel, Kindergartenfachberaterin im Landratsamt. Und auch Petra Göttlicher berichtet nur Positives: „Die Schulen sagen, dass es keine Unterschiede zu den Regelkindergärten gibt – nur an den Wandertagen sind unsere Kinder klar im Vorteil.“

Für das Kindergartenjahr 2011/12 wird es im Waldkindergarten Wiesenttal voraussichtlich sechs freie Plätze geben. Die Anmeldung erfolgt im März.

NN 13.10.2010 Bericht von Herrn Kugler